Frauen ansprechen. Ein Kurzdrama.

Ein früher, lauer Sommerabend auf einem Platz in Berlin. Unter einem Ahorn (oder einer Linde) steht eine junge Frau mit asiatischem Migrationshintergrund und roten Schuhen und starrt angestrengt auf den Ausgang der S-Bahn-Haltestelle „Hackescher Markt“.

Ein schmächtiger junger Mann mit blonden Haaren nähert sich in rosa Shorts und leuchtend blauem Karohemd.

Er: I’ve seen you waiting here for almost half an hour. So, I am waiting, you are waiting, I think we can wait together!
Sie: Du kannst auch deutsch mit mir sprechen. blickt auf die Uhr an der S-Bahn-Station Das ist komisch, meine Bahn ist nämlich höchstens vor sechs Minuten hier angekommen.
Er: Die Zeit erscheint mit immer länger, wenn ich warte.

 
Pause

 
Er: Du studierst bestimmt, oder? Halt, verrat‘ mir nichts, lass mich raten. Also…wenn ich dich so anschaue schaut sie von oben bis unten an und bleibt an den roten Turnschuhen hängen irgendwas mit Kunst, aber nicht einfach Kunst…nein…irgendwas Richtung Schriftsteller!
Sie: Falsch, Psychologie.
Er lachend: Soso, Psychologie also? Da könnte ich eine Menge Sprüche bringen, aber die hast du bestimmt alle schon gehört. berührt sie dabei absichtlich wie zufällig am Arm
Sie: Ja, hab ich bestimmt alle schon gehört.

 
Schweigen. Sie wendet sich wieder der S-Bahn-Station zu.

 
Sie: Und du so?
Er: Du musst auch raten!
Sie ernsthaft: Ich glaube nicht, dass man am Äußeren eines Menschen erkennen kann, ob oder was er studiert.
Er: Ich geb dir auch einen Tipp! Es ist ein sehr großer Studiengang hier in Berlin. Einer für Männer.
Sie: Maschinenbau an der TU.
Er lachend auf sein Karohemd zeigend: Mist, vielleicht seh‘ ich zu sehr nach typischem Maschinenbauer aus.
Sie deutet auf seine rosa Shorts, die ein gutes Stück über dem Knie enden: Die gehören da aber nicht wirklich dazu.

 
Stille.

 
Er: Und was machst du sonst so, außer studieren und die von süßen fremden Jungs anquatschen lassen?
Von der anderen Seite schleicht sich der Freund an, auf den sie gewartet hat, und unterbricht abrupt die Szene. Als die junge Frau mit ihm die Bühne verlässt, sehen wir einen Hauch von Erleichterung auf ihrem Gesicht. Der Vorhang fällt.

*Und an dieser Stelle noch kurz ein Verweis auf ein Interview mit einem Dating-Coach, das ich vor längerer Zeit geführt habe.

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