Mein schönstes Ferienerlebnis 4

Der Weg nach Frankreich ist gepflastert mit interessanten Toiletten. Wirklich! Ich habe selten so viele blitzblanke, retrofuturistische sanitäre Anlagen zu Gesicht bekommen wie entlang der Autobahn gen Süden, mal ganz davon abgesehen, dass ich nie gedacht hätte, die Berieslung mit französischen Chansons auf dem Lokus könnte eine entspannende Wirkung haben. Man bekommt also was geboten für die Autobahngebühren die man zahlt…

Während die Temperatur langsam von frostigen 10°C bis zur 25°C-Marke hochkletterte nahm parallel dazu die Musikqualität ab, von Bravo Hits XY bis hin zu den Hits der 70er (oder 80er?) auf dem französischen Autobahnsender unseres Vertrauens: Autoroute. Ein paar Tage später wurde unser Repertoire noch um „Tantis megagute X-Mas CD 2009“ [sic!] verbösert. Es scheint, ich kann Rihanna nicht entkommen, aber das Leben besteht nun mal aus Kompromissen.

Trotzdem kamen wir physisch und psychisch unversehrt und pünktlich im wunderschönen 130.000-Einwohner-Städtchen Nîmes an. Nîmes ist berühmt für sein beeindruckendes Amphitheater und einen bestimmt wunderschönen alten Tempel. Beides sahen wir bis jetzt noch nicht von Innen.

Stattdessen genehmigten wir uns in typisch französischem Flair am Nachmittag ein Bier zwischen der Taverne Kalinka, Café Emirates und dem Dönerladen „Le Anti-Crise“ und beobachteten die dick eingepackten Franzosen, an denen offensichtlich der Frühlingsbeginn bis jetzt vorbei gegangen ist.

Zwar sprechen in Frankreich die meisten Menschen konsequent nur französisch (negatives Klischee), dafür ist aber das männliche Servicepersonal durch die Bank weg charmant und gutaussehend (positives Klischee). Wie ihr merkt, versuche ich die Waage zu halten in meiner Berichterstattung zu Frankreich – nicht, dass man mir am Ende badische Vorurteile gegenüber dem sogenannten Erbfeind vorwirft!

Ach ja, zurück zu Nîmes: Wer nicht Herrn Duderstadts exquisiten Englischunterricht genießen durfte, wird vielleicht überrascht sein, dass Denim aus Nîmes kommt. Daher auch der Name. De Nîmes – BABÄM!

Und auf dem Stadtwappen prangt ein Krokodil, was an einer Palme angekettet ist – sieht zwar putzig aus, bringt aber mein kleines Veganerinnenherz insgeheim zum Weinen.

Von Nîmes aus machten wir dann einen Ausflug zur Pont du Gard, einem beeindruckenden Aquädukt, der bestimmt einige Superlative in sich vereinigt, die ich mir jedoch allesamt nicht merken konnte. Pont du Gard ist sozusagen das Must-See der Region, was wohl die Ungewöhnlich hohe Dichte pubertärer britischer Schulkinder dort erklärt. Um einen Eindruck von Pont du Gard zu gewinnen muss man nicht einmal Google bemühen: Es reicht ein Blick auf die Rückseite des 5-Euro-Scheins. Quasi die Provence im Geldbeutel!

Auf unserem Weg von der Pont du Gard nach Uzès kamen wir dann zufällig an einem verführerischen Schild mit der Aufschrift „Musée du Bonbon“ vorbei. Spätestens seit Willy Wonka ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann. Also mussten wir uns es, im Gegensatz zum Amphitheater, von innen anschauen.

Natürlich weinte mein Veganerinnenherz still und leise ob der grausam-bunten Auswahl an gelantinehaltigen Produkten in abwegigen Formen wie Bären, Schlümpfen (zu Französisch: Les Schtroumpfs), Fröschen, Würmern und Drachen.

Trotzdem habe ich aber viele interessante Dinge gelernt, die mein Wissen aus einer gewissen Episode der Sendung mit der Maus komplementieren. Zum Beispiel, dass Hans Riegel 1920 in Bonn den Tanzbären als Vorläufer des Goldbären erfand. Daher auch der Name: Hans Riegel Bonn, Haribo – BABÄM! Und, dass karamellisierender Zucker elf verschiedene Stadien durchläuft, die ich mir jedoch allesamt nicht merken konnte.

Nach dem Exit through the Gift Shop schafften wir es doch noch zum Kodak-Stopp nach Uzès. Uzès ist ein malerisches Dörfchen, das mit seinen schnuckligen Häuschen im traditionellen Baustil der Provence [sic!] noch immer in der Vergangenheit verweilt. Wir hielten bei einer wunderschönen Kirche, die so was von romanisch war, dass ich den Baustil auch ohne den exquisiten Kunstunterricht von Herr Mertens auf 10km Entfernung identifizieren hätte können. Selbstverständlich sahen wir sie uns nicht von Innen an und gingen stattdessen Kaffee trinken.

Im Stadtzentrum kamen wir am Rathaus vorbei. Über dem Eingang hingen drei Flaggen: Frankreich, Europa und China.

Vielleicht hängt Uzès doch nicht in der Vergangenheit fest – vielleicht ist es einfach schon in der Zukunft angelangt!

In diesem Sinne: Vive la France, bonne chance et bonne nuit à tous.

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