Mein schönstes Ferienerlebnis 3

Jede gute Geschichte beginnt mit einer verhinderten Zugfahrt.

Meine beginnt in Mannheim. Also nicht die Zugfahrt an sich, sondern die Geschichte der Verhinderung. Die Zugfahrt an sich begann in Freiburg und führte nach München.

Der Zug auf den ich wartete hatte eine halbe Verspätung, wodurch wir mit ebenjener halben Stunde Verspätung in Stuttgart ankamen. Eine halbe Stunde ist eigentlich kein Ding. In Ländern mit einem lockeren Zeitverständnis, z.B. Thailand, würde eine halbe Stunde nicht einmal als Verspätung im engeren Sinne zählen.

Leider liegt Stuttgart nicht in Südostasien sondern im Schwoabeländle. Der Stuttgarter Bahnhof reagierte auf unsere Verspätung typisch Deutsch und verweigerte die Kommunikation, so dass wir auf unbestimmte Zeit erst Mal nicht weiter konnten.  Tse! Frauen.

Ähm, Bahnhöfe meinte ich natürlich.

Nach einer guten Stunde bekamen wir aber doch endlich ein Gleis zugewiesen und unser Zugpersonal war so außer sich vor Freude (respektive so beschämt), dass sie erst mal eine Runde Freigetränke für alle schmissen. Soll heißen, für die fünf Hanselle, die sich nicht schon entnervt ein anderes Vehikel gesucht hatten. Mich mit eingeschlossen.

Damit habe ich auch auf wundersame Weise erstmalig die magische 59-Minuten-Verspätungsgrenze überschritten und konnte meine sogenannten Fahrgastrechte in Form einer 25%-Fahrpreis-Rückerstattung gültig machen.

Also 6,90€ Fahrpreiserstattung + 0,25€ Pfand von meinem Entschädigungsgetränk (ich Fuchs habe die Flasche geklaut) = 7,15€. Für eine Stunde Rumsitzen wäre das in Ostdeutschland kein schlechter Lohn. In Stuttgart würde man aber vermutlich mehr bekommen. Und in München…

Übrigens: München ist nicht so, wie alle denken. In München rennen z.B. nicht alle im Dirndl und in Lederhosen rum. So was tragen Münchener nur zum Oktoberfest. Zumindest war das bis vor Kurzem meine Theorie.

Ich steige in München an einem grauen, verregneten Nachmittag im März in die S-Bahn und was sehe ich als erstes?

Frauen im Dirndl, Männer in Lederhosen.

Theorie verworfen. Hoch lebe das Klischee!

In München (respektive Dachau) habe ich dann Teile meiner Familie und eine Hand voll Freunde besucht. Meine Freunde in München beschäftigen sich mit so illustren Dingen wie Maschinenbau, Wirtschaftsinformatik, Mathematik, Luft- und Raumfahrttechnik und … Maschinenbau.

Dazu habe ich drei mögliche Theorien:

a)      Die enormen Lebenshaltungskosten in München nimmt man von vornerein nur in Kauf, wenn man damit rechnen kann, später mal dick Geld zu verdienen.

b)      Es werden in München an der Universität keine Geisteswissenschaften angeboten.

c)       Ich suche mir gezielt Freunde, die meine Vorurteile gegenüber dem Charakter der Stadt bestätigen.

Auch wenn ich mich meistens über München nur entweder

a)      lustig mache oder

b)      aufrege oder

c)       empöre

kann München auch ganz nett sein. Das Weißbier zum Beispiel ist  ausgezeichnet. (Und so nebenbei auch die einzige veganerfreundliche Errungenschaft der bayrischen Küche.)

Hoch leben die Klischees!

Übrigens habe ich noch eine interessante Theorie zu bayrischen Dialekten gehört. Weil viele Bayern mit ihrem Dialekt als Muttersprache aufwachsen, ist Hochdeutsch für sie schon die erste Fremdsprache. Klar eigentlich, dass darunter das Erlernen anderer Fremdsprachen leidet.

Das ist ja praktisch so, als würde man Thailändisch mit einem chinesischsprachigen Lehrbuch lernen!

Nun gut…abgesehen davon, dass ich jemanden kenne, der genau das gemacht hat:

Bayrisch finde ich inzwischen gar nicht mehr so schlimm. Manchmal finde ich sogar, es klingt ziemlich charmant (mir fällt noch immer kein adäquateres Adjektiv ein).

Doch doch doch, wirklich!

*klonk*

(Das ist das Geräusch, wenn man gerade eine signifikante Zahl an Lesern in den neuen Bundesländern verliert)

Auch dazu habe ich drei Theorien:

a)      Ich bin weltoffener und reifer geworden und weiß Dialekte inzwischen als Folklore zu schätzen.

b)      Ich bin inzwischen intellektuell verkalkt.

c)       Bayrisch ist im Vergleich zu Sächsisch der reinste Ohrenschmaus.

*klonk*

Oh…vielleicht sollte ich besser schlafen gehen.

Übrigens, nächster Halt ist Frankreich.

In diesem Sinne:

To be continued.

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Eine Antwort zu Mein schönstes Ferienerlebnis 3

  1. Anscha schreibt:

    Sag bloß, dass du das wundertolle Sächsisch verschmähst. Ähm hust.. 🙂 Das mit dem Dirndl kann ich aber noch nicht ganz fassen, das nächste Mal unbedingt mal Beweisfotos schießen. Wann wird schonmal ein Klischee bestätigt?!

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