Wiedersehen im Wilden Westen

Verrückt! Mein letzter Eintrag ist schon über einen Monat her, womit sich die Binsenweisheit von der Motivationskurve (streng monoton fallend) mal wieder bestätigt.

Dabei ist natürlich durchaus einiges passiert – der Versuch einer Rekonstruktion, mein Gedächtnis lässt langsam nach…

Natürlich hatte ich trotz meiner Weihnachtsabneigung ein sehr schönes Weihnachtsfest und besitze weitere TAUSEND neue Bücher, die ich unbedingt lesen muss. Vielleicht sollte ich mich mal eine Woche in meiner Wohnung einschließen und nichts anderes mehr tun, bloß frag ich mich, wo ich all die dazu benötigten Sojamilch-Vorräte in meinem doch eher kleinen Küchenschrank-Fach unterbringen sollte. Bleibt also nur ein langsames und beständiges Vorhergehen.

An Silvester waren wir dann auch froh, als wir endlich alle Böller und diverse andere chinesische Qualitätsprodukte abgefeuert hatten, um im Warmen endlich Jagd auf Mr. X zu machen. Nicht einmal ernsthaft betrunken war ich, was wohl ein Zeichen ist, dass ich langsam erwachsen, reif und alt werde; mit 20 darf ich diese drei Begriffe noch Synonym verwenden.

Obwohl ich gute Vorsätze aus Gründen der Umsetzbarkeit grundsätzlich ablehne, wollte ich das Jahr mit etwas Sinnvollem beginnen.

Erste Station war der lokale Oxfam-Shop. Der Erlös dieser kleinen Second-Hand-and more-Läden fließt…na, zu Oxfam eben, was ja trotz meiner Abneigung gegenüber großen Organisationen doch eine gute Sache ist. Leider bestand kein allzu großes Interesse an neuen ehrenamtlichen Mitarbeitern, oder die freundlichen Rentner wollten nicht, dass ich ihnen ihre liebste Freizeitbeschäftigung klaue. Aber es ist ja schön, wenn sich auch erwachsene/reife/alte Menschen mit einbringen, weswegen man es ihnen nicht übel nehmen kann.

Nächster Halt was Greenpeace. Passenderweise wurde ich hier mit der Frage „Und, was studierst du?“ begrüßt. Dabei ist es natürlich ein Vorurteil, dass bei Greenpeace nur Studenten arbeiten!

Manche dort haben ja auch schon fertig studiert.

Natürlich sind dann dort doch überwiegend Biologie- und Chemiestudenten, und es fallen schon ab und zu Sätze wie „Und weil die Welt immer noch böse und schlecht ist…“, trotzdem fand ich das allwöchentliche Treffen sehr sympathisch und werde weiterhin dorthin gehen. Interessant auch die Antwort auf die Frage nach der größten Umwelt-NGO (Non-Governmental Organization) in Leipzig: „Hmm…die Antifa ist hier recht groß!“

Meine letzte Anlaufstelle war dann noch der Flüchtlingsrat, der sich überwiegend um die Integration und Bildung von Flüchtlingen aus Iran, Irak, Afghanistan und dem Kosovo kümmert. Dementsprechend hoch war auch die Sprachbarriere beim Begrüßungsgespräch, wobei die Frau aus Österreich kam und damit (vermutlich) doch kein Flüchtling war.

Trotzdem kamen schon die ersten Nachhilfestunden zustande. Besonders viel Spaß hatte ich bei Physik. Hier nämlich steht das Lesen von Sternkarten auf dem Lehrplan, was ich leider in der Schule niemals gelernt habe – oder natürlich, ich habe sogar vergessen, DASS ich es gelernt habe. (Das Alter…)

Jedenfalls las ich mir eine halbe Stunde lang Artikel auf Wikipedia zum Thema durch, um dann bei einer freundlichen Neuntklässlerin aus dem Kosovo mit meinen Fachkompetenzen zu glänzen. So konnte ich nicht nur auch noch was dazuzulernen, pädagogisch war es vermutlich sehr geschickt, dass sie mir manche Dinge zwischendurch erklären konnte. Hätten doch auch meine Lehrer damals so wenig Ahnung gehabt!

Nach sooo vielen guten Taten wollte ich mir dann erstmal was gönnen und machte eine kleine Tour durch Rheinland-Pfalz und Hessen, um ein paar alte (hier nicht zwangsweise im Sinn von erwachsen/reif) Freunde wiederzusehen.

Erster Halt war Mainz, wo zwei ehemalige Klassenkameraden von mir studieren. Dort war ich in einer Vorlesung des berühmten Politikwissenschaftlers Jürgen W. Falter, der schon oft bei Sabine Christiansen war. Da leider mein Antennenkabel nicht bis zu Buchse hinter meinem Bett reicht, und ich die Möbel nicht umstellen möchte, kann ich weder Fern- geschweige denn Christiansen sehen, daher kannte ich dann auch Professor Falter nicht. Trotzdem war die Vorlesung sehr interessant und unterhaltsam, was nicht zuletzt an den lustigen Anekdoten zu Guido Westerwellen lag. Zusammenfassend kann man sagen: Mögen tut er ihn nicht wirklich.

Im Anschluss war ich dann noch, peinlicherweise geschenklos, bei der Geburtstagsparty eines mir unbekannten Mitstudentens. Dann war noch Publizistikparty, wobei zu dem Thema mir nur eins einfällt: Ich bin froh, dass Johannes mir zuvor einen Mainzelmännchen-Pin geschenkt hat, ohne den hätte ich meine Jacke vermutlich nie wieder in dem Berg identifizieren können. Verrückterweise hatte ich auf dem Rückweg zwei genau gleiche Schals, einen davon gab ich jedoch einem armen, frierenden Studenten mit auf den Weg. Am nächsten Morgen zeigte die Geruchsprobe, dass ich ihm meinen mitgegeben habe. Dumm gelaufen!

Dann fuhren wir zu zweit P’Chok (zu Deutsch: großer Bruder Glück) in Marburg besuchen, mit dem ich vier Monate lang in Thailand im gleichen Projekt gelebt habe.

Dann war ich wieder auf einer Geburtstagsparty, wieder kannte ich das Geburtstagskind nicht, und wieder hatte ich peinlicherweise kein Geschenk dabei. Trotzdem hatte ich sehr großen Spaß, was auch am überwiegend vertretenen Studiengang liegen kann: Erlebnis- und Abenteuerpädagogik, Master of Arts. Kein Scherz!

Vermutlich wäre jeder so lustig drauf, wenn er ein Spiele-Seminar hat, Credit-Points für’s Räuber und Gendarm spielen kriegt und im Sommer eine Kajak-Tour machen muss. Wenn man auf einer Juristen- oder BWLer-Party sich auf den Boden werfen würde und laut „BOMBE“ ruft, dann würden sich die Kommilitonen vermutlich nicht synchron auf den Boden werfen, sondern eher die Polizei rufen. Auch hier muss wohl eine Differenzierung zwischen alt, erwachsen und reif erfolgen.

Letzter Halt war dann Frankfurt, wieder ein Geburtstag, doch diesmal kannte ich – Gott sei Dank! – nicht nur das Geburtstagskind (genau genommen kanne ich es sogar schon sehr lange ziemlich gut), sondern hat auch noch ein Geschenk dabei – Strike! Neben mondäner Gastfreundschaft gab es leckeres Thai-Essen. Nachdem man dort zehn Monate war, muss man sich auch erst mal wieder bewusst machen, dass Namen wie „Pak Chup Päng Tot“ zu Erheiterung führen könnten. Lecker war das frittierte Gemüse im Teigmantel trotzdem. Zufälligerweise endete der Abend schon wieder mit Gesellschaftsspielen, diesmal insbesondere sei hier „Scene it?“ zu erwähnen. Dabei gibt es verschiedene Filmabschnitte zum Angucken (Zitat aus der Anleitung: „DVD-Player und Fernsehgerät nicht im Lieferumfang enthalten.“) mit anschließenden Fragen. Unser grandioses Scheitern an Fragen wie „Wer spielt Daniel LaRussos Freundin in diesem Film?“ kann ich nur damit erklären, dass wir alle viel mehr Zeit mit der Lektüre intellektuell anspruchsvoller klassischer Literatur verbringen statt vor dem Fernsehr (den ich ja eh nicht anschließen kann). Womit wieder bewiesen wäre, wie unglaublich reif, erwachsen und alt wie alle sind.

Und intell…ell, um mal eine weitere ehemalige Mitschülerin zu zitieren!

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